Ralph Sweets persönliche Geschichte des Square Dance

Rede bei der Necca

Version des Originals: 2006
Version der Übersetzung: 2007-01-29

[Original: www.tiac.net/~mabaker/RS_NECCA_Talk.html]

Übersetzung: Martin Ingenhütt
MARTIN_INGENHUETT_AT_EUROPEAN_CALLERS_AND_TEACHERS_ASSOCIATION

Teil 1

1944, als ich fünfzehn war, machte in meiner Heimatstadt Uncasville (Connecticut) ein Teen-Club auf. Es gab da einen Squaredancecaller, der eine Auktionshalle hatte und Versteigerungen durchführte. Ein 'klassischer' Tanzlehrer unterrichtete uns Walzer, Polka und Foxtrott. In meinem letzten Highschool-Jahr schickte mich meine Mutter in Norwich (Connecticut) zu einem Tanzkurs, der aus Paartanz und Squaredance bestand.

Als ich dann kurz darauf 1946 ein Ingenieursstudium an der Universität von Connecticut begann, trat ich dem 4-H-Club der Universität unter ihrem Führer Warren Schmidt bei [Anmerkung des Übersetzers: 4-H ('Head, Heart, Hands and Health') ist eine amerikanische Jugendorganisation, ähnlich den Pfadfindern]. Ich trat nur bei, weil sie nach ihren Treffen Squaredance-Unterricht anboten, an den Treffen selbst nahm ich nicht teil. Schließlich hatte die Uni als Landwirtschafts-College angefangen! Diese Organisation führte ein Squaredancefestival mit Callern aus ganz Connecticut durch, die uns vorher ihre Abläufe schriftlich zugeschickt hatten, so dass alle 4-H-Jugendlichen in Connecticut sie vor dem Festival üben konnten. Das Festival selbst fand auf einem Sportfeld statt, das mit Kreide in 12 Fuß große Quadrate unterteilt war. Natürlich ausschließlich mit Live-Musik.

Und das waren nur Singingcalls! Ein paar Visiting-Couples-Tänze, aber viele Tänze boten mehr für mehr Leute, adaptiert von den alten Quadrillen. Jeder kannte den Buzz-Step Swing, und viele Swings waren länger als acht Beats. Bei diesen öffentlichen Tänzen wurde gar nicht unterrichtet: Die Caller waren keine guten Lehrer. Man tauchte einfach ein und ließ sich herumschubsen, bis man es heraushatte. Sogar bei solchen Veranstaltungen sagte der Veranstalter oft zum Caller: 'Unterrichte nicht so viel! Wir sind nicht zum Tanzenlernen gekommen, sondern zum Tanzen.'

Sobald ich ein Auto fahren konnte, einen Dodge von 1929, versuchte ich soviel wie möglich auf Tanzveranstaltungen zu gehen. Es gab jeden Freitag- und Samstagabend etwas in Feuerwachen, Bauernhöfen, Schulen, Rathäusern; praktisch immer gab es Singingcalls abwechselnd mit Standardtänzen. Jede MengeTeenager, aber meistens auch genug ältere Leute, die halfen, den Anstand zu wahren. Ich hatte immer ein Notizbuch dabei, um mir Abläufe aufzuschreiben, sie zu Hause abzuschreiben und zu meiner eigenen Klavierbegleitung zu üben.

Es wurden keine Contras gemacht, nirgendwo in Connecticut oder Rhode Island - mit einer Ausnahme: Ich kam einmal am frühen Abend zum Rathaus von Hadlyme, und da tanzten etwa sechs ältere Paare 'Opera Reel'. Ich wusste, was das war, hatte es bis dahin aber nur in einem Buch von Elizabeth Burchenal gesehen, einer Volkstanzleiterin in New Yorck City, die viele Bücher über Volkstanz geschrieben hatte - dieses war von 1920 und beschrieb Contratänze in einer der kleinen Bergstädte in Westmassachusetts.

Ich fragte nach und fand heraus, dass damals, in den späten Vierzigern, Contra in Rhode Island und Connecticut vollkommen tot war, außer in dieser kleinen privaten Gruppe.

Bald war ich scharf darauf, life zu callen, und eines Abends fuhr ich zur Grange Hall in Ekonk, Connecticut (zwei Hühnerfarmen, zwei Häuser und eine 'Grange Hall'), wo mein Mitfahrer dem Caller erzählte, dass ich callen konnte, also verschworen sie sich gegen mich, und ich musste einen Tip aus drei Singingcalls callen. Meine Tänze waren natürlich aus einer anderen Gegend, über hundert Kilometer entfernt, und anders als was die Leute gewöhnt waren, aber mit den gleichen Calls natürlich - so war es also in Ordnung, obwohl sie den notwendigen Durchlauf ohne Musik vorher nicht gewöhnt waren.

Später bat man mich, einige Teenager im Lisbon Grange bei Jewett City zu unterrichten, und so musste ich dem 'Grange'-Verein beitreten. Ich schusterte mir einen Plattenspieler mit variabler Geschwindigkeit zusammen und brachte ihnen so ziemlich alles bei, was ich wusste.

Schließlich kam ich immerhin bis nach Brattleboro, Keene und Chesterfield (New Hampshire), um nach weiterem Material zu suchen, und entdeckte dort Contradance. Ich lernte Ralph Page kennen, der - was ich damals aber nicht wusste - seit etwa 1934 Contra in New Hampshire und in der Gegend von Boston bekannt gemacht hatte, mit seinen Dienstagabenden im Bostoner Christlichen Verein junger Frauen (YWCA), und auch in New York, Kalifornien und sogar in Japan!

Später, als ich auf dem U-Conn-Festival callte, so gegen 1949/50, brachte Al Brundage, der gerade mit dem Hartforder Squaredanceverein angefangen hatte, eine oder zwei Demonstrationen dessen, worum es beim Squaredance ging. Sie trugen auffällige Kostüme, machten viel 'Skirt Work', und boten eine spektakuläre Aufführung von schrillen Tänzen wie etwa 'Triple Duck', 'Chain the Ladies Through the Star' und 'Two Stars in the Night'. Ich war einfach hin und weg, aber Hartford war sehr, sehr weit von Zuhause bei den damaligen engen Straßen.

Das andere Extrem: Eines Abends besuchte ich Wildwood Park in Dayville (Connecticut), eine Rollschuhbahn am Seeufer, wo ein Caller namens Earl Johnston auf einer lebhaften Veranstaltung für mindestens hundertfünfzig Teenager callte, mit der 'Band that Swings the Squares' unter Ernie Rock. Zum Beispiel: Mañana, Polly Wolly Doodle (La La La), Jitterbug Square. Die gleichen Tänze gab es überall in Connecticut, entlang dem Connecticut River, mindestens bis hinauf nach Vernon (Vermont).

1949 oder so, als die sogenannte 'koreanische Polizeiaktion' losging [Anmerkung des Übersetzers: Bis heute wird in den USA der Koreakrieg nicht als solcher bezeichnet; man müsste dann ja auch einräumen, ihn nie offiziell erklärt zu haben], überredete meine Mutter mich und meinen Bruder, als Freiwillige in die Nationalgarde einzutreten, um nicht eingezogen zu werden. Dann kam heraus, dass unsere Einheit mobilisiert wurde, und wir fuhren nach Georgia, wo ich das 'Big Circle Dancing' entdeckte, auch bekannt als 'Appalachian Running Sets', das die Einheimischen Squaredance nannten (ein Tanz im großen Kreis und mit Visiting Couples).

Ich fuhr per Anhalter durch ganz Georgia und suchte danach; ich fragte in Läden und auf der Straße, wo ich irgendeine Squaredance-Veranstaltung finden könne. Die übliche Antwort war 'seit Jahren nicht mehr' oder 'nicht mehr seit den Tagen meines Großvaters' - aber trotzdem gab es oft in der gleichen Stadt jeden Samstagabend eine Veranstaltung. Das gibt es auch heute noch, wenn man danach sucht, in jeder Stadt in Nordamerika!

Anfang 1951 wurde ich dann nach Fort Bliss (Texas), El Paso, zur Schießausbildung geschickt. Ich fand schnell heraus, dass das ein Squaredanceparadies war! Dort gab es frühen Modern Western Squaredance an drei Abenden in der Woche irgendwo auf dem Militärstützpunkt, Tanzveranstaltungen in der Stadt, und auch auf der 'Squaredance Ranch', einem extra für Squaredance gebauten Raum draußen am Highway, mit den Callern Harold Newsom und Louie Ratliff. Es gab dort Frauen ohne Partner, die eine Class machen wollten, und so wurde ich mit einer älteren Tanzpartnerin zusammengebracht, einer Frau mit einem Auto! Sie holte mich ab und brachte mich nach Hause, und ich nahm sechs Stunden Unterricht, und die sechs zusätzlichen, freiwilligen, in denen wir Texas Star, Sally Goodin, San Antonio Rose, The Jessie Polka, Put your Little Foot lernten, immer zu Lifemusik. Wir lernten natürlich Calls - aber um die Tänze zu tanzen, nicht als Selbstzweck. Mit anderen Worten: Catch All Eight oder Box the Gnat waren eigentlich Tänze, keine Calls.

Ich hab auch Herb Greggersons Dance Barn besucht und bin zu einem seiner Squaredance-Wochenenden in Ruidoso (New Mexico) gegangen, und hab ein wenig Rounddance gelernt. Bob Osgood vom Sets-in-Order-Magazin kam zu einem der Festivals, und ich musste bei einem davon einen Tip callen, der im Radio gesendet wurde. Am Posten vorbeizukommen war einfach, wir mussten nur unterschreiben, dass wir draußen- und später, dass wir wieder drin waren.

Einmal probierte ich aus, wieviele Abende hintereinander ich tanzen könnte, und ich schaffte dreizehn Abende am Stück, bis ein Sonntag kam, an dem es keinen Tanz gab.

Inzwischen wurde meine Einheit nach Fort Banks in Winthrop (Massachusetts) versetzt, um Boston mit unseren Flugzeugabwehrgewehren gegen die nordkoreanischen Bomber zu verteidigen. Wir hatten vier Batterien um Boston herum aufgestellt, aber jeden Abend Ausgang. So erhielt ich eine andere Art von Tanzausbildung - ich lernte jede Tanzart, die mit Square- und Contradance zu tun hatte: Scottish Country Dancing am Montagabend, Square und Contra mit Ralph Page im Bostoner YWCA am Dienstag, dasselbe mit Charlie Baldwin (dem Originalherausgeber des New-England-Callermagazins), auch English Country Dancing, und Irish Ceili Dancing. Damals war ich noch an den meisten Wochenenden zu Hause; dann lernte ich meine erste Frau kennen, natürlich beim Squaredance.

Wieder zuhause im Sommer 1952, wurde ich gebeten, Squaredance für eine Volkstanzgruppe zu unterrichten, die sich in der Wohnung des berühmten Puppenspielers Rufus Rose traf, des Schöpfers von Howdy Doody. Ich kriegte Howdy Doody selbst nie zu sehen, aber sein 'Vater' Rufus Rose war die ganze Woche in New York für die Aufführungen, und seine Frau blieb zu Hause in Waterford (bei New London) und machte dort Volkstanz. Die Kurse zogen in das Mitchell College Gym in New London um, und ich war damals ein Junior im Ingenieursstudium auf dem Campus in Storrs (Universität von Connecticut). - Eine ziemliche Fahrerei!

Ich fuhr jeden Dienstagabend nach Hartford zu Al Brundages Anfängerclass (ich hatte auch alle Notizen von meinen Classes in Texas aufbewahrt), und unterrichtete dann die gleiche Lektion am nächsten Abend in New London, wo die Class schließlich den Community Square Dance Club gründete, wo wir Squaredance, ein wenig Traditional und auch ein paar Contras machten. Und mein Professor kriegte nie raus, warum ich in seinem Unterricht einschlief... Mittendrin heiratete ich und zog vom Schlafsaal in ein Appartment in Willimantic.

1954 machte ich meinen Anschluss an der Universität von Connecticut und zog nach Windsor Locks, um bei Hamilton Standard als Entwicklungs-Testingenieur zu arbeiten. Der Ort liegt auf halber Strecke zwischen Hartford und Springfield (Massachusetts). In der ganzen Zeit war Squaredance in beiden Gegenden wie verrückt gewachsen, in der Gegend von Springfield schneller - mit Al Brundage als Leiter in der Gegend von Hartford, und seinem Bruder Bob in Springfield.

Wir tanzten ein paarmal im Hartforder Squaredanceclub, und wollten uns dann mal ansehen, was in Springfield los war. Unser erste Reise ging zum Wilbraham Squaredance Club, einem von Bobs ersten Vereinen. Wir kamen etwa gegen zwanzig vor Acht an, und der Parkplatz war voll! Wie gingen in den Saal, eine große Schulturnhalle, und sie war vollgestopft mit Leuten, die schon Squares bildeten, obwohl der Abend erst in einer Viertelstunde losging. Wir fanden, dass es schon viele aktive Clubs in der Gegend gab, alles Ableger von Bobs erstem Verein, und Bob gab damals gerade seinen Stelle bei U-Mass auf, um zurück nach Südwest-Connecticut zu ziehen. Seine Classes wurden von anderen jungen Callern übernommen, besonders von Willie Jenkins, der weiterhin viele Jahre lang Classes für viele Clubs durchführte.

Bald wurde ich gebeten, Classes für den Enfield CT Lions Club zu veranstalten, der nachher zum Enfield Square Dance Club wurde, und ich begann, eine Scheune zu suchen, um sie zum Tanzen umzubauen, wie die Bay Path Barn, oder Al Brundages Scheune, oder Howard Hogues Square Acres in East Bridgewater (Massachusetts). Ich fand einen aufgegebenen Pferdestall, der früher der Hazard Powder Company in Hazardville (einem Teil von Enfield) gehört hatte. Sämtliche Fenster waren kaputt, sogar die Rahmen, das Dach leckte wie ein Sieb; und zwischen Juni und Oktober 1959 halfen mir die Mitglieder meines Enfielder Squaredancevereins und auch anderer Vereine. Wir hatten unsere erste Veranstaltung im Herbst 1959. Später verkaufte ich mein Haus und zog in ein Appartment oben in der Scheune. Der Enfielder Club traf sich dort, und bald hatte ich dessen Classes, eigene Classes. Zwei neue Vereine entstanden, die Powder Mill Puffers und die Powder Keg Squares; sie waren ein 'Doktor'-Club - ich war der erste, der Squaredancern einen 'PhD' verlieh!

Kurz zuvor hatte Al Brundage die Connecticut Callers Association gegründet, in der ich schließlich Vizepräsident, dann Präsident wurde. Earl Johnston hatte sich angeschlossen, um Squaredance zu lernen und callte damals schon hauptberuflich. Er hatte die Clubs in West Springfield, Chicopee, Manchester und Vernon. Ich unterrichtete damals manchmal auch in vier anderen Vereinen und trat als Gastcaller auf.

Dieses Wachstum ging weiter ohne aufzuhören, bis es 1965 insgesamt 65 aktive Clubs und 45 Caller auf dem Kalender von Springfield gab, und vielleicht 40 auf dem von Hartford, die ganz Connecticut abdeckten.

Earl Johnston berief ein Meeting in meiner Scheune ein, um die Springfield Area Callers Association zu gründen, hauptsächlich mit dem Ziel, uns alle von dem 'Hände-Hoch' oder 'Armdrück'-Griff zum Unterarmgriff zu bewegen. Leute aus seinen Vereinen, die von Veranstaltungen in Kalifornien, der National Square Dance Convention und so weiter zurückkamen, bestanden auf dieser Änderung. Große Differenzen, einige Clubs fielen darüber auseinander. Damit zusammen hing das sogenannte 'Männer mit haarigen, verschwitzten Armen'-Problem, das beim Unterarmgriff schlimmer wurde. So wurde ein landesweites Gesetz veraschiedet, dass, egal wie heiß es war, alle Männer immer lamgärmelige Hemden zu tragen hatten. Wir übernahmen den Unterarmgriff, aber die Traditional-Square- und Contra-Tänzer wenden immer noch den alten Hand-Griff an.

Die Unterrichtsstunden hatten in dieser Zeit (1950 bis 1965) zugenommen, von 6+6 auf 12, dann 14, dann 21 und 30, dann 30 + 10 Sitzungen, um die Leute auf das Tanzen in ihren eignenen Vereinen vorzubereiten. Damals gab es riesige Anfängerclasses. Ein Caller bemerkte beim Callertreffen, dass er seinem Club (Holyoke) gesagt hatte: 'Ruft mich gar nicht erst an, wenn ihr nicht mindestens zehn Squares von Anfängern habt'. Ich führte die allererste Sonntagabendclass durch (Moral-Verordnungen in Masachsetts erlaubten das damals eigentlich nicht) und kriegte 20 Squares von Anfängern!

Aber im Herbst 1965 ging es los: [Seltsame] Dinge passierten mit dieser wundervollen Bewegung. Ich callte eines Abends für 24 Squares in Pittsfield, und auf einmal fiel mir auf, dass in der gesamten Gruppe nur etwa drei Paare um die vierzig oder jünger waren! Die anderen schienen in den Sechzigern zu sein. Keine wirklich schlechte Sache, aber doch irritierend. Wo führte das hin, wenn es so weiterging? Ein Caller, der gerade von einer Reise nach Westen zurückkam, hatte angeblich bei einer Veranstaltung gesagt, nachdem etwa die Hälfte der Leute in der Pause hinausgegangen waren: 'Jetzt, wo die alten Leute weg sind, können wir vielleicht etwas richtigen Squaredance machen!' In diesem Herbst fiel auf, dass die Anwesenheitszahlen nachließen, und es wurde schwerer, Anfänger zu finden. Ein paar Clubs fingen an, sich zusammenzutun, um zumindest einen oder zwei Squares zusammenzubekommen. In einem Club, der es eigentlich kaum schaffte, hatten sie eine fünfminütige Vorstandswahl vor dem Clubabend. Die Antrittsrede des Präsidenten war: 'Es macht mir nichts aus, den Posten anzunehmen, denn es gibt eh nichts zu tun. Kein Aufwand damit verbunden!'

1966, als ich sah, wie das Problem größer wurde, schrieb ich ein Buch: 'Let’s Create Old Tyme Square Dancing', das einen Kurs aus zwölf Lektionen enthielt und ein Tanzprogramm auf einfachem Level. Dann kam 1969 Bob Osgood, der die gleichen Sorgen ausdrückte, mit dem 'Basic Program of American Square Dancing' heraus, das in großen Teilen auf der gleichen Idee basierte und 50 Calls verwendete.

Viel später, 1986, entwickelte Callerlab das Community Dance Program und erwähnte dabei die gleichen Probleme, die Bob Osgood 1969 bemerkt hatte - mit 24 Calls und sechs bis acht Unterrichtsstunden. Das CDP-Programm ist jetzt in den Händen von Cal Campbell. Aber keine dieser Lösungen sind von den Clubs oder den Callern auch nur ernstgenommen worden. Sie waren nur an neuen Calls interessiert, und wie man den Level anheben könnte auf das, was in den Squaredancevereinen gemacht wurde. Viele konnten noch nicht einmal sehen, dass es überhaupt ein Problem gab, besonders den größeren Vereinen ging es gut.

Etwa 1974 waren die Anwesenheitszahlen weiter gefallen, und es wurde schon für einen Einzelverein schwerer, eine Class zusammenzubekommen, ohne sich mit anderen zusammenzutzun. Dennoch war die Sache in der Umgebung von New England immer noch im Aufschwung, bis etwa in die Mitte der Achtziger. Ich begann, Contra von New Haven bis Norwich (Vermont) und in der Gegend um Boston zu erforschen, und entdeckte, dass dort ein Revival stattfand: An vielen Orten, unter Ralph Pages Einfluss in der Gegend von New Hampshire und Boston, mit ganz 'normalen' Leuten. Aber woanders, etwa in New Hampshire, das Connecticut River Valley hinauf (in Massachusetts bekannt als 'Pioneer Valley') und auch in der Gegend von Boston, unter Einfluss von Dudley Laufman, mit Hilfe der Hippie- und Folkbewegung, die jüngere Leute anzog ohne Schuhe, ohne BHs, die kein Deodorant benutzten - Tank Tops, extrem legere Kleidung - aber Leute, die es einfach durch Mitmachen lernten und eine tolle Zeit hatten! Mein Enfielder Squaredanceverein war aus meiner Scheune in eine örtliche Schule gezogen, wo er weiter schrumpfte. Meine Powder Mill Puffers, Powder Keg Squares und der Teen-Club hatten sich aufgelöst. Drei andere Clubs, deren Classes ich lange Zeit unterrichtet hatte, hatten mich ziehen lassen, weil ich nicht genug Druck ausübte, damit die Anfänger alle neuesten Calls lernten, die sie können mussten, um in ihren Clubs zu tanzen. Ich verschwendete wertvolle Zeit mit lustigen Singingcalls und versuchte manchmal, ihnen einen Contra in der Class beizubringen! Auch als Clubcaller war ich von den neuen Calls nicht so begeistert wie ich zu sein hatte. Ich erinnere mich, als Load the Boat herauskam - ich wollte es echt nicht hören, als meine Tänzer kamen und mir davon erzählten!

So war es unmöglich, irgendeinen der Clubtänzer für Contra zu interessieren, genauso wie mit dem Traditional Squaredance Jahre zuvor.

Wir alle - meine Kinder und ich - sind aktiv in Blasorchestern [das in Deutschland so genannte 'Kleine Spiel'] aus Piccoloflöten und Trommeln, das in Connecticut immer populär war; und ich war Flötenlehrer bei den Nathan Hale Fifes & Drums. Wir spielten Schlachten nach und kampierten in authentischen Uniformen und spielten authentische Melodien aus dieser Zeit. Jemand fand heraus, dass sie in den Zeiten der Revolution - dem späten achtzehnten Jahrhundert - viel tanzten. Überall wo George Washington hinkam, wurde anscheinend zu seinen Ehren ein Ball verantstaltet. Es gab sogar Aufzeichnungen, was sie tanzten, mit Anweisungen, in den Archiven vieler großer Bibliotheken. Die Boston Public Library war eine davon. Wir gründeten eine Demo-Tanzgruppe mit Kostümen, die 1976 bei der kommenden Zweihundertjahrfeier auftreten und ihre Tänze zeigen konnte. Mit Hilfe zweier älterer Damen des Korps, die Zugang zu diesen Aufzeichnungen hatten, wo ein gewöhnliches Bibliotheksmitglied nicht drankam - wir durften sogar mit ihnen in den Raum - gaben wir ein Buch heraus, '24 American Country Dances of the Revolutionary Era', das nach den Jahresausgaben ähnlicher Bücherhieß, die in England im gesamten achtzehnten Jahrhundert entstanden. Diese bilden die dokumentierte Geschichte des amerikanischen Square- und Contratanz.

Aus diesen Anfängen konnte ich eine Band bilden, 'The Fifer’s Delight', wo mein Sohn Piccolo und Flöte blies, ich Akkordeon spielte und callte, mit einem Geiger und einem Pianisten, den ich unterrichtet hatte. Parallel dazu wurde 'Country Dance in Connecticut' gegründet, das heute das NOMAD-Festival unterstützt. Tanzveranstaltungen begannen in Northampton, South Amherst; und in Hartford gab es (durch Dudley Laufman, der für vieles im Modern-Contra-Revival verantwortlich war) bald wöchentliche Tanzveranstaltungen - eine an jedem Samstagabend in South Amherst, zweimal monatlich in meiner Scheune.

Ich hatte 1961 den Ingenieursberuf an den Nagel gehängt, um mein Geld mit Callen zu verdienen, hatte aber aus finanziellen Gründen zwei Jahre später begonnen, an der Highschool Physik zu unterrichten. Ich begann auch, hobbymäßig Pikkolos und Flöten zu bauen, was sich schließlich zu meinem Hauptberuf entwickelte.

Seitdem ist Contra stetig gewachsen, besonders in der Gegend um Boston, und breitete sich dann über die ganze USA aus, einschließlich Alaska und Hawaii. Wir werden von zwei großen Organisationen unterstützt, NEFFA (die New England Folk Festival Association) und die amerikanische Version des CDSS (Country Dance and Song Society), die überall in Kanada Mitglieder hat, in Großbritannien, Dänemark, Belgien, Holland (wo überall Contra im amerikanischen Stil zu englischen Calls getanzt wird), England, den USA - ein internationales Verzeichnis von Gruppen mit Kontaktadressen, so dass man Contra in jeder größeren Stadt finden kann, in jedem Bundesstaat, und sogar in Übersee...

Heute calle ich, was man ein 'Community Dance Program' nennen könnte, aber es ist eigentlich die Fortführung des traditionellen Programms, das aus Sicht der Squaredancer nur im 'Untergrund' weiterging - einmal im Monat in Goshen (Massachusetts), in Gastauftritten als Caller in verschiedenen Contragruppen, in ein paar Open Houses, und beim Wiederbeleben meiner Tanzveranstaltungen in meiner Scheune in Hazardville (Connecticut). Die nächsten Veranstaltungen dort und in Goshen werden im Oktober sein. Ich habe eine neue CD herausgebracht mit zwölf meiner Lieblings-Singingcalls, und gebe normalerweise Calling-Workshops auf dem Dance-Flurry-Festival, und calle auf dem Falcon-Ridge-Festival im July. Zwischen dem Callen tanze ich fast an jedem Freitag- und Samstagabend in Guiding Star Grange in Greenfield (Massachusetts), wo die Leute im Durchschnitt etwa 25 Jahre jünger sind als das etwas hinterherhinkende Bostoner Publikum, und einfach voller Begeisterung. Jetzt hat die Gegend von Boston auch eine hohe Rate an Teenagern beim Donnerstagabendtanz in Cambridge. Manche im Highschool-Alter, mehr im Collegealter, viele zwanzig oder dreißig, und alle Alterstufen bis achtzig. Die Anwesenden werden stetig mehr - ich hoffe, ihr könnt die Szene gelegentlich mal besuchen!

Der Abstieg seit 1965 - warum?

War es ein 'Nachlassen der Motivation, neue Leute zu suchen'? Die meisten Vereine wurden besonders zu Anfang von bereits existierenden Gruppen gegründet, wie etwa Gemeindegruppen, PTAs, Service-Organisationen, Lions' Clubs. Eine Gruppe von Leuten, die irgendwo einen Grund hatten, eine Class als ein Projekt zu unterstützen, um Geld für ihre Organisation zu sammeln. Sie hatten den Einfluss, andere Mitglieder zu überzeugen, die sie meist auch schon persönlich kannten, dass sie der Organisation zu Liebe zur Class kommen sollten, um dieses neue Projekt zum Geldsammeln zu unterstützen, um sich mit ihresgleichen zu amüsieren, und Außenstehende zu bewegen mitzuhelfen. Selbstredend war es im nächsten Jahr, nachdem es jetzt einen Club gab, Zeit, eine neue Class zu finden. Aber fast jeder in der ursprünglichen Organisation hatte schon jeden gefragt, den er kannte, also war es Sache der 'zweiten Generation', all deren Freunde zu fragen. Jedes Jahr waren die neueren Tänzer weiter weg von der Kerngruppe, sowohl was Bekanntschaft als auch Verbundenheit mit dem ursprünglichen Ziel der Gruppe anging. Auch setzten viele von ihnen das Tanzen als etwas Selbstverständliches voraus - vielleicht brauchten sie keine neue Class - sie hatten ja schon genug Spaß. In der ganzen Gegend waren 1965 die Leute, die fähig und offen für Squaredance waren, schon gefragt worden.

Die Sache war ziemlich exklusiv. Man musste verheiratet sein (Singleclubs kamen erst später), oder zumindest als Paar kommen, weiß, in einem gewissen Alter, nicht gebunden durch kleine Kinder; und man musste sich zu vielen Wochen Unterricht verpflichten.

Ein Auswahl- oder Filtersystem

Viele Leute hatten soviel Spaß an der Sache, dass sie zwei-, drei- oder sogar fünfmal in der Woche tanzen gingen! Natürlich waren das die Paare, die am meisten über das Tanzen wussten, sie machten die Arbeit im Club, also wurden sie ganz natürlich Vorstand, der die Caller engagierte. Sie waren auch die, die müde wurden, die gleichen alten Tänze auf die gleiche alte Art zu machen. Die, die aus dem Häuschen gerieten, wenn ein Gastcaller ihnen einen neuen Call beibrachte, wie 'Square Thru' (guter und sehr nützlich) und 'Load the Boat' (nach meiner Meinung vielleicht schon der Anfang, mit etwas zu weit zu gehen, was man einen einfachen 'Juhu'-Standardcall nennen könnte). Also mussten die Caller diese 'vorderen drei Squares' froh machen - meist mit brandneuen Calls, die zum Standard wurden, und sie mussten auch die Leute in den anderen Vereinen beeindrucken, wo sie Gastcaller waren. Jede Menge Callernotes trugen dazu bei, dass dieser Prozess eskalierte.

Weder die Vorstände noch die Caller kümmerten sich allzu sehr um die 'drei hinteren Squares', die nicht mitkamen, oder die Zweimal-im-Monat-Tänzer, die all die neuen Calls verpassten ('Jetzt, wo die Alten gegangen sind, können wir vielleicht ein bisschen richtig tanzen'). Callern durfte man nicht erlauben, die wertvolle Class-Zeit mit diesem 'Blödsinn' zu vergeuden. 'Greif durch! Bring sie auf Clublevel!' Drillen! Drillen! Drillen! Aber sobald der Unterricht vorbei war, waren schon viele neue Calls dazugekommen, so dass die Class immer noch nicht fertig war! OK, dann erhöhen wir die Unterrichtszeit, auf 21, 30, 35 Sitzungen, und tun noch zehn Sommerworkshops dazu. Dann seid ihr fertig, um im Herbst mit uns zu tanzen! (ein Jahr, nachdem sie angefangen hatten!). Aber sogar dann hatten die Clubmitglieder keine Geduld mit denen, die nicht mitkamen. Die Haltung vieler Clubmitglieder war 'wenn ich nicht mindestens einen aufregenden neuen Call gelernt habe, dann hatte ich keinen Spaß dabei!'. Natürlich wurde dieser neue Call normalerweise Teil des Repertoires, das jeder Clubtänzer kennen musste.

In den letzten fünfzehn Jahren (1950 bis 1965) war die Zahl der Aussteiger angestiegen, so dass es 1965 ein ziemlich großes 'Reservoir' davon in der Gegend gab - mehr als die Leute, die tatsächlich tanzten. Wenige merkten das oder machten sich Gedanken darüber, denn sie hatten ja so viel Spaß! Das ganze Thema des Tanzens war Herausforderung. Wenn ich nicht gefordert werde, macht es keinen Spaß!

Untersuchung: 1966 untersuchte ich die Ergebnisse verschiedener Classes. Während der Zeit der Class gab es wenige Aussteiger. Aber am ersten richtigen Clubabend nach der Graduation kamen nur noch etwa 50 Prozent davon. Weniger noch im Laufe der Zeit, bis nach einem Jahr nur noch zehn Prozent der meisten Graduierten tanzten. Die anderen neunzig Prozent konnten vielleicht nicht oft genug kommen, um mitzukommen; und wenn sie versuchten, seltener zu tanzen, oder sich aus gutem Grund eine Auszeit nahmen, konnten sie ohne einen Auffrischkurs nicht wiederkommen.

Aber die meisten Leute dachten, die Sache stehe gut: Mit Mengen von Clubs zur freien Auswahl an den Wochenenden, weniger an Donnerstagen bis hinunter zu zweien an Sonntagen. Die Herausgeber des Kalenders der Gegend von Springfield schätzten, dass alle Clubmitglieder in den Büchern der betreffenden Gegend zehntausen Tänzer in den Clubs zählten. Wenn man die Zahl der Clubs mit den durchschnittlichen Anwesenheitszahlen multiplizierte, schienen dort etwa 4000 Leute regelmäßig zu tanzen. Aber um so viele Elitetänzer zu bekommen, die mit all diesen Calls klarkamen, waren über fünfzehn Jahre in den Classes dreißigtausend Leute unterrichtet worden! Was machten die vierundzwanzigtausend Aussteiger? [Anmerkung des Übersetzers: Dem Autor scheint hier ein Rechenfehler unterlaufen zu sein, der aber sicher nichts zur Sache tut.]

Sie machten keinen Traditional-Squaredance ('Eastern Style! Pfui!').

Auch nicht Contra (das war vor dem modernen Revival). Die meisten waren für das ganze Bild von Squaredance verdorben. Zu schwer, zu teuer (die Kostüme). Man musste ständig zweimal die Woche tanzen, um mitzukommen. Sie waren schlecht behandelt worden von den 'Elitetänzern'. Aber sie waren mehr als die Leute, die noch tanzten! Es gab sie überall in der ganzen Gegend. Meinen Sie, sie haben den guten Ruf verbreitet, wieviel Spaß Squaredance war? Ich glaube nicht!

Außerdem war vielen beigebracht worden, dass der einzige Spaß im Squaredance die Herausforderung war, die Aufregung in der Herasuforderung durch neue Calls oder immer schwierigere Variationen alter Calls. Also tanzten sie nicht nur nicht, sondern verbreiteten auch ihre schlechte Meinung über Squaredance im Allgemeinen! Die meisten traditionellen Tänze der Gegend waren bis dahin ausgestorben, und der moderne Squaredance war die einzige Squaredanceform, die sie kannten.

Clubtänzer und -caller hatten ihre Tänzer nie angeregt, etwas davon zu besuchen, als es noch lebendig war - sie hatten Angst, sie zu verlieren - also war es Squaredance oder gar kein Tanz. Sie entschieden sich für gar keinen Tanz. Vierundzwanzigtausend! Und heute, 2005, ist es noch schlimmer als 1965. Diese 65 Vereine in der Gegend von Springfield sind geschrumpft auf sieben! Die vierzig in Connecticut schrumpften auf siebenundzwanzig im gesamten Bundesstaat.

Wir müssen diesen 24.000 Aussteigern (die Zahl muss jetzt, 2005, viel höher liegen als 1965) einen Platz zum Weitertanzen bieten, auf einem einfacheren Level, wo sie mitmachen können wann immer sie können, und so einen Pool von Leuten erhalten mit einer positive Haltung gegenüber Squaredance im Allgemeinen.

Darum habe ich mein Buch 'Let’s Create Old Tyme Square Dancing' geschrieben, darum versuchte Bob Osgood das 'Basic'-Programm einzuführen, darum entwickelte Callerlab das CDP (Community Dance Program - immer noch unterstützt von einem Callerlab-Kommittee unter Vorsitz von Cal Campbell). Cals neues Buch 'Dancing for Busy People' schlägt jetzt eine Weiterentwicklung vor, und empfiehlt drei oder vier Unterrichtsstunden oder weniger, und bietet eine großartige Menge von Material für ein mehr spaßorientiertes Gemeinschaftstanzprogramm, das wirklich funktioniert, wie Cal herausgefunden hat. Ich empfehle das Buch sehr: es enthält eine Menge von Material, das jeder Caller für Partys und Gemeinschaftstänze verwenden kann.

Heute gibt es zwei bessere Ideen als das Community Dance Program mit seinen zwölf oder zwanzig Stunden Unterricht. Eine ist die neue 'ABC-Methode', den Squarendance zu vermarkten', entwickelt von der Rio Grande Valley Callers’ Association, und die andere ist Contra, das jetzt gerade loslegt und im vollen Schwung wächst, überall in euren eigenen Gegenden!

Wir kommen gleich auf das Contra-Revival zu sprechen, aber zunächst eine Unterbrechung: Ein Demotanz ... bitte Squares..

Es folgt Solomon Levy (Nelly Bly): Sally Goodin - The Auctioneer.

[Weiter zum zweiten Teil von Ralf Sweets Rede]

[Weitere Squaredance-relevante Artikel: www.dancing.scootback.de]
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